Veranstaltungsinformationen aus dem Göschen- und Seumehaus

Göschenhaus

Kinder lernen in der Klosterkirche

Am 4. Juli strömten aus der ganzen Region am frühen Morgen 347 Kinder verschiedener Schulen durch den anhaltenden Regen in die Klosterkirche: Das Göschenhaus hatte im Namen des Kulturbetriebes Grimma zu einer großen KinderUni eingeladen. Unter dem Titel „Wie die Buchstaben in den Setzkasten kamen – Die geniale Erfindung des Buchdrucks“ hielt zu Beginn Universitäts-Professor Dr. Stephan Füssel eine spannende, kindgerechte Vorlesung über die Entstehung und Verbreitung des Buchdrucks, vielleicht der wichtigsten Erfindung aller Zeiten.

Prof. Füssel, Inhaber des Gutenberg-Lehrstuhles, sowie Direktor des Instituts für Buchwissenschaften an der Universität Mainz (die auch den Namen Gutenbergs trägt), hat unzählige Artikel und Bücher zu Johannes Gutenberg geschrieben, jenem Buchdrucker, der 1999 zum „Mann des Jahrtausends“ gekrönt wurde. Stephan Füssel ist zugleich auch bester Kenner der Geschichte des Verlagswesens und hat die wichtigste Arbeit zu Georg Joachim Göschen verfasst, auch dadurch ist er ein enger Freund des Göschenhauses. Wir sind froh, dass dieser Wissenschaftler von Weltrang einmal mehr an die Mulde gekommen ist. Da die Mainzer Universität selbst seit vielen Jahren KinderUnis veranstaltet, war es natürlich schön, einen „alten Hasen“ auf diesem Gebiet einladen zu können. Wir möchten uns ganz herzlich für seine Bereitschaft bedanken; übrigens: ein Hauptseminar in Mainz musste wegen der Grimmaer KinderUni ausfallen …

347 Kinderaugenpaare verfolgten gebannt den Vortrag, da soll noch jemand sagen, Kinder seien heute nicht mehr lernfähig! Immer wieder verstand es Professor Füssel mit Bildern die Aufmerksamkeit der Kinder zurückzuerobern. Wer hat schon eine altehrwürdige Gutenbergstatue mit Fastnacht-Kostümierung oder Fußball-Schal gesehen? Als dann gegen Ende des Vortrages auch aktuelle Bücher gezeigt wurden, war spätestens bei „Harry Potter“ die Stimmung in der Klosterkirche auf ihrem Höhepunkt.

Doch eine KinderUni wäre keine KinderUni, wenn es nach der Theorie nicht auch die Praxis geben würde. Nun konnte das Gelernte in die Tat umgesetzt werden. An vielen Tischen wurde nun mit der Gänsefeder geschrieben, an der Tiegeldruckpresse gedruckt, es konnte ein kleiner Text gesetzt werden, kleine Bücher gebunden, Briefe gefaltet und versiegelt und Linoldrucke mit Grimma-Motiven angefertigt werden. Mit großer Begeisterung konnte die gutgelaunte Schar alles ausprobieren, manche Kinder ließen es sich nicht nehmen, den Professor aus Mainz – während er selbst die modernste Form des Buches, das E-Buch seinen jungen Zuhörern vorstellte – um ein Autogramm zu bitten.

Doch ohne die vielen fleißigen Helfer wäre diese erste KinderUni des Kulturbetriebes Grimma nicht so erfolgreich gewesen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedanken sich ganz herzlich bei dem Berufsschulzentrum „Rote Schule“: Ohne die zehn angehenden Erzieherinnen, die mit großer Geduld und Freundlichkeit tatkräftig dieses Projekt mitbetreuten, wäre der Tag sicherlich nicht so reibungslos verlaufen. Unser Dank gilt auch der Fachschaftsleiterin Frau Cyron und der Schulsekretärin Frau Röhl für ihre unkomplizierte Mithilfe.

Ferienveranstaltungen

Auch weiterhin sind Kinder in den Ferien herzlich zu den Veranstaltungen eingeladen. Am 3. August heißt es dann „Große Wäsche im Göschenhaus“. Kinder können hautnah erleben, wie vor gut 200 Jahren noch die Familie Göschen ihre Wäsche waschen musste, in einer Zeit also, wo die „Waschmaschine“ noch zwei Hände hatte … Voranmeldungen für diese Veranstaltung, sind an das Göschenhaus zu richten.

Noch eine Mitteilung zum Schluss: Die Ferienveranstaltung am 10. August „Hexenkraut und Hausapotheke“ mit Gabriele Meyer) ist leider ausgebucht. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Seumehaus

Immer ein Besuch wert

Das Seume-Haus, das älteste Bürgerhaus auf dem Marktplatz, lädt auch im Sommer Gäste von Nah und Fern in seine Räume ein, übrigens Räume, die im Sommer wunderbar temperiert sind! Schauen Sie doch einmal vorbei. Gezeigt wird, neben den sehenswerten Räumen selbst, das Leben und Werk Johann Gottfried Seumes, der hier vor über 200 Jahren eine Zeit lang gelebt und gearbeitet hat. Aber auch eine kleine Ausstellung zum Reisen wie zu Seumes Zeit ist zu sehen. Sprechen Sie ruhig die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, wenn Sie spezielle Fragen zur Historie des Hauses und seiner Bewohner haben oder wenn Sie vielleicht ein Kinder- und Jugendprojekt in Göschens ehemaliger Druckerei durchführen wollen.

Wandern 210 Jahre danach – ein Blick in die nähere Zukunft

Am 24. September wird eine spezielle Seume-Wanderung angeboten, um Johann Gottfried Seume (wieder) kennenzulernen … und das in der wunderschönen Natur des Grimmaer Muldentals. Diese Wanderung steht im Zusammenhang eines historischen Ereignisses: Der Seume-Verein „Arethusa“ e.V. Grimma wird im Dezember 2011 eine Sonderausstellung in der Hospitalkapelle an der Leisniger Straße zeigen: „Aufbruch ins Ungewisse. Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus“. Am 6. Dezember 1801, damit vor 210 Jahren, war Seume zu seiner abenteuerlichen Wanderung aufgebrochen. Seume beschreibt zu Beginn seines Reiseberichts, wie er noch einmal gegenüber der Hospitalkapelle seine Grimmaer Zeit rückblickend betrachtet. Ein Grund, dieses nunmehr wunderbar restaurierte Gebäude auch allen Seume-Freunden näherzubringen. Lassen Sie sich also überraschen!