Programm "LernStadtMuseum in Sachsen – Schüler entdecken Museen"

Preisverleihung am 16.08.2011 im Deutschen Hygiene-Museum für das Gemeinschaftsprojekt „Eine Schule im Seumefieber“ – Johann Gottfried Seume und seine Wirkung auf junge Leute heute - vom Göschenhaus Grimma und der Mittelschule Grimma

Die Jury, die aus Vertretern des Sächsischen Landtages, der Landesstelle für Museumswesen, des Arbeitskreises Museumspädagogik, des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport sowie der HTWK bestand , entschied sich für oben genannte Projektidee.

Mit dem Vorhaben sollen Regionalgeschichte und europäische Geschichte greifbar und begreifbar werden. Im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Klassik bietet gerade J. G. Seume die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten und ihr Umfeld kennen zu lernen und Zusammenhänge der Zeit um 1800 zu verstehen. Durch Recherchen werden biografische Erkenntnisse erarbeitet, die im darstellenden Spiel (durch eine Theatergruppe) umgesetzt werden. Seume wird im Kontext seiner Epoche beleuchtet. Dazu dienen vor allem Musik und Kunst (ein Chor befasst sich mit Liedern der Zeit, z. T. auch mit Seumes Liedtexten; im Kunstunterricht werden eigene Bücher gesetzt und gedruckt und Bucheinbände gestaltet).

Die intensive Zusammenarbeit zwischen der Mittelschule und dem Museum am historischen Ort soll Berührungsängste der Schüler zum Literaturmuseum abbauen. Die Stärkung der sozialen Kompetenz ergibt sich im Laufe des Projekts durch das Zusammenwirken z. B. mit Buchhandwerkern und Buchgestaltern oder bei Streitgesprächen und Vorstellung der Arbeitsergebnisse. Allen Teilnehmern der 5.-9. Klassen soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Begabungen einzubringen oder neu zu entdecken. Deshalb und um der Persönlichkeit J. G. Seumes (Schriftsteller, Wanderer, Korrektor in Göschens Druckerei, Hauslehrer, Privatgelehrter usw.) gerecht zu werden, sind die Mitwirkungsmöglichkeiten vielfältig (z. B. gestalterisch, handwerklich, schauspielerisch, musikalisch, geschichtlich, sprachlich, fotografisch, organisatorisch. Die neuen Medien werden sinnvoll in das Gesamtkonzept eingebunden.

Es entsteht eine szenische Dokumentation (mit Lesung), die durch Musik der Zeit unterstützt wird. Sie soll zu Johann Gottfried Seumes 250. Geburtstag am 29. Januar 2013 uraufgeführt werden. Eine weitere Aufführung ist im Juni 2013 auf der traditionellen Theaterwiese im Göschengarten vorgesehen. Begleitend entstehen eine Power - Point – Präsentation und eine Fotodokumentation des Projekts, die in den folgenden Schuljahren den Unterricht in mehreren Fächern bereichern können (z. B. Deutsch-, Musik- und Geschichtsunterricht). Durch die intensive Zusammenarbeit zwischen Schule und Museum wird außerdem eine Ausstellung zur Buchkunst(Titel: „Ein Buch muss auch schön sein“) realisierbar, die als Wanderausstellung auch außerhalb der Schule zu sehen sein soll. Angestrebt wird, die Ergebnisse an verschiedenen Orten (z. B. Leipzig, Lützen, Vacha) zu zeigen, an denen Seume wirkte.

Zwei Schuljahre werden ganz im Zeichen von Johann Gottfried Seume stehen. In diesem Zeitraum soll sich allen Teilnehmern die regionale und europäische Dimension seiner Persönlichkeit erschließen. Durch das Vertrautmachen mit seinen Gedanken, Reisen und originalen Sachzeugen erhalten sie im Museum die Möglichkeit, sich mit Seumes Leben und seinem Aufstieg durch Bildung zu befassen. Es soll über die Persönlichkeit Seumes diskutiert werden, dabei gilt es, nicht nur seine Moralgrundsätze auf ihre Gültigkeit zu überprüfen, sondern auch eigene Haltungen, Ideen und Ansätze zu hinterfragen. Der Spannungsbogen des Vorhabens reicht dabei von der Kleinstaaterei zu Seumes Zeiten bis zum Zusammenwachsen des heutigen Europa. Den Schülern werden Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, historische Dokumente zu erschließen und zu interpretieren. Außerdem praktizieren sie Arbeitstechniken der Buchherstellung um 1800 und entwickeln dabei handwerkliche Fertigkeiten. Die Teilnehmer erkennen Grundlagen und Zusammenhänge des Verlagswesens und bekommen Einblicke in gute Buchgestaltung. Das eigenständige Arbeiten an verschiedenen Themenkomplexen wird zum Schluss zu einem Gesamtpaket geschnürt. Dann lassen sich Enthusiasmus, Beharrlichkeit und Kreativität der am Vorhaben teilnehmenden Schüler ermessen.