"Salon" unter freiem Himmel im englischen Schloßpark Püchau

"Trink, oh Auge, was die Wimper hält, aus dem goldnen Überfluß der Welt." Mit dieser Gottfried Kellerschen Huldigung an die mannigfaltige frische Natur hatte Schloßherrin Benita E. Goldhahn das diesjährige Picknick in ihrem englischen Schloßpark vor illustren Gästen eröffnet, deren Sinn an einem solchen Feiertag nach Poesie, Parusie und Gesang steht. Zum 12. Mal bereits lud sie zum Himmelfahrtstag an die große weiße Tafel im Lustgarten, um sich einander mit Gleichgesinnten Gedichte , Lieder und Balladen zuzuraunen. Wortreigen und Gesänge der Tafelgäste oszillierten mit Schwalben- und Amselgezwitscher um die Wette.

Christopher Smith, Vorstand bei Price Waterhouse a.D., sinnierte: „…wie ein Salon unter freiem Himmel…“. Genüßlich kniete er am weißen Tafeltuch nieder, seine singenden Mitstreiter gegenüber lustvoll beobachtend, nachdem er der Burgherrin eine achtstrophische englische Ballade mit Guitarrenbegleitung dargereicht hatte. Architekt Ulrich Becker, Präsident des Vereins der Freunde des Museums für Stadtgeschichte, nahm Bezug auf die frisch ins Amt eingeführte Rektorin Professorin Beate Schücking und zitierte ein Gedicht von Levin Schücking , Mitte des 19.Jahrhunderts Bibliothekar in der Burg Meersburg am Bodensee, Verehrer und Freund der Schriftstellerin Anette Droeste-Hülshoff, nachdem er die Kohärenzen zuvor erörtert hatte.

Niels Gormsen brachte Lothar und Benita das Goldhähnchen-Gedicht mit und Markus Kossmann lobte den geistigen Humus, auf dessen Nährboden eine solch magische Sphere entsteht, dass selbst er diesem prosaischem Zauber nicht widerstehen konnte Vielleicht überrascht ja im nächsten Jahr wieder das Professorenehepaar Kakourin mit lateinisch- lyrischem Gesang und Eigenkompositionen.

Erneut war für ein paar Stunden ein theatralisches Gesamtkunstwerk entstanden. Realität und Mythos spiegelten sich an diesem sonnigen Nachmittag an einem sublimen, verwunschenen Ort, erdverwachsen und sturmerprobt.