Der Winter kommt nicht wirklich überraschend, auch wenn der Zeitpunkt jährlich variiert – genauso wie die Heftigkeit der weißen Zeit. Doch die Stadt Freiberg ist gut vorbereitet: Der Einsatzplan steht, die Salzsilos sind gefüllt, die Vergaben für die Winterdienstleistungen an Fremdfirmen erfolgt. Nur das Budget für den Winterdienst in den letzten Monaten dieses Jahres bereitet den Verantwortlichen etwas Bauchschmerzen.

Denn Anfang des Jahres fiel so viel Schnee vom Himmel, dass er sogar aus der Stadt abtransportiert werden musste. Das passiert selten, denn es „ist besonders kostenintensiv“, weiß Gunnar Wünsche, Sachgebietsleiter Straßenunterhaltung im Tiefbauamt.

375.000 Euro waren für das laufende Jahr für den Winterdienst in den städtischen Haushalt eingestellt. „Doch das Frühjahr hat dieses Budget fast aufgebraucht, gerade mal noch rund zehn Prozent sind übrig“, zieht Wünsche das Fazit. So bleibt nur eine Nachforderung. Wünsche rechnet erfahrungsgemäß mit rund 100.000 Euro. Anderenfalls wäre der Winterdienst gefährdet.

Manche Jahre, wie gerade in den beiden zurückliegenden milden Wintern, werde das Budget nicht ausgeschöpft. Durchschnittlich 57 Einsatztage verzeichnete das Tiefbauamt pro Wintersaison. Das Frühjahr 2010 kam allein schon über diese Zahl.

Dass der Schnee aus besonders engen Straßen beräumt wird, erfolgt vor allem dann, wenn die Durchfahrt für die Räumtechnik nicht mehr möglich ist und auch der Schnee nicht mehr vor Ort gelagert werden kann. „Es nützt nichts, wenn Räumtechnik und Hauseigentümer den Schnee nur noch hin- und herschippen – von der Straße auf den Fußweg und zurück.“ In Kauf nehmen müssen die Hausbesitzer jedoch, wenn die Räumtechnik die Straße vom Schnee befreit und dieser auf dem (manchmal gerade frisch) beräumten Fußweg landet. „Dann ist der Eigentümer in der Pflicht und muss noch mal ran. Das lässt sich nicht umgehen“, räumt Wünsche ein. „Es gibt hier leider kein Patentrezept.“ Der Winterdienstfachmann ist aber zufrieden: „Das Gros der Freiberger kommt seinen Pflichten ordentlich nach“, lobt er. Die wenigen Ausnahmen seien dem Ordnungsamt bekannt – so dass die Aufforderung zum Winterdienst nicht nur mit der Post ins Haus trudelt, sondern auch schon mal per Mail oder Anruf.

Durchschnittlich gibt es jährlich rund 100 solcher Aufforderungen, nur in den allerwenigsten Fällen müssen hier Bescheide erlassen oder Ersatzvornahmen durchgeführt werden.

Doch nicht nur die Bürger sind gefragt beim Winterdienst, sondern natürlich vor allem auch die Stadt. Der Einsatzplan für die bevorstehende Wintersaison ist längst in trockenen Tüchern. Bis einschließlich April des nächsten Jahres regelt dieser Plan ab Oktober die Arbeitszeiten sowohl der fünfköpfigen Einsatzleitung wie auch der weiteren 16 für den Winterdienst eingeteilten Mitarbeiter der Stadtverwaltung von 4 bis 20 Uhr – und das täglich, auch an Sonn- und Feiertagen. Täglich 2.30 Uhr morgens legt der Einsatzleiter los: Witterungskontrollen, Kontrollfahrten, Festlegen der Einsätze. „In der Regel sind die Aufgaben bis zum Mittag erledigt,  außer bei weiterem starken Schneefall.“ Im Zwei-Schichtbetrieb erledigt der städtische Winterdienst mit Mitarbeitern aus dem Tiefbauamt die Pflichtaufgaben der Stadt Freiberg entsprechend der Straßenreinigungssatzung. Dazu gehören beispielsweise Fußwege vor städtischen Objekten, zum Teil Fußübergänge an Kreuzungen und Fußwege in und an Parkanlagen.

Darüber hinaus sind Fremdfirmen im Einsatz mit vier Lkw und drei Kleintraktoren bzw. Multicars sowie 12 Arbeitskräfte mit Schneeschippe, Schaufel und Besen.

Die Fremdfirmen bearbeiten mit ihren Fahrzeugen und Geräten die öffentlichen Straßen, wobei die Rangordnung durch Dringlichkeitsstufen (DKS) geregelt wird:
DKS 1 – rund 54 km – verkehrswichtige Straßen (Ortsdurchgangsstraßen, Straßen mit Buslinien und Altstadt) DKS 2 – rund 61 km – weniger verkehrswichtige Straßen DKS 3 – 32 km – einfache Wohn- und Erschließungsstraßen

Darüber hinaus sind die Vertragspartner beauftragt alle Buswartehallen zu beräumen, und sie unterstützen das Beräumen der Fußgängerüberwege und Kreuzungen sowie Fußwege vor städtischen Objekten. „Hierbei müssen die manuellen Kräfte auch viel Schnee beiseite räumen, den Maschinen verursacht haben – so u. a. Schneeberge für Fußgänger an Kreuzungen, die ihnen den Zutritt versperren.

In dieser Wintersaison werden dieselben Unternehmen im Einsatz sein wie schon in den vergangenen drei Jahren. „Sie haben sich als verlässlich und leistungsstark gezeigt, wir können auf ihre Winterdiensterfahrung vertrauen“, ist sich Wünsche sicher.

Um die Sicherheit des Straßenverkehrs im Winter aufrecht zu erhalten, gibt es - besonders in Übergangswitterungslagen - kaum eine andere Chance, als den Einsatz von Salz. „Bei Dauerfrost mit festgefahrener Schneedecke setzen wir kein Auftausalz ein“, weiß der Fachmann. Durchschnittlich 800 bis 1400 Tonnen Salz braucht die Stadt Freiberg für ihre rund 148 Kilometer Straßen, eine Tonne kostet inklusive der Lieferung und Entladung rund 80 Euro.

Hier kann die Stadt etwas sparen durch billigeren Salzeinkauf im Sommer.

Aber nicht nur deshalb hat Freiberg seine Lagerkapazität von 196 Tonnen im vergangenen Jahr um weitere 98 Tonnen aufgestockt, sondern auch um Engpässen vorzubeugen.