Wiglaf Droste

Wurzen. Wiglaf Droste lässt die Ringelnatzfreunde in Wurzen nicht im Stich. Seine wegen Krankheit abgesagte Lesung wird am 6. August, dem Vorabend des 127. Geburtstages von Ringelnatz, 18.30 Uhr im Arkadenhof des Museums nachgeholt.

Der mittlerweile in Leipzig beheimatete Droste drückte seinen literarischen Respekt gegenüber Joachim Ringelnatz zum 75. Todestag im vergangenen Jahr so aus: Humor, das zeige sich bei näherer Betrachtung, habe auch bei Ringelnatz weniger mit lustiger Flachserei zu tun als mit der Fähigkeit, die Schläge des Schicksals zu verarbeiten und zu ertragen. Hinter der schalkhaften, spitzbübischen und hüpfenden Heiterkeit stehe eine Tiefe der Empfindung, die sich nicht abnutzt. „In die Gedichte von Joachim Ringelnatz kann man sich immer wieder neu verlieben“, gesteht er. „Sie verlieren ihre Strahlkraft und ihren Zauber nicht, es tut ihnen im Gegenteil nur gut, sie wiederzulesen, sie sind bei jeder neuen Begegnung größer und besser geworden. Manche treffen schlicht so blitzstrahlend ins Herz, dass sie zu Tränen rühren – jedenfalls den, der nicht fühllos oder versteinert ist oder sich sonstwie verabschiedet hat.“ Droste liest im Arkadenhof Texte des ihm seelenverwandten Dichters und eigene Arbeiten. So sind den Gästen zweimal fünfzig Minuten sensiblen Humors mit philosophischem Tiefgang sicher.

Eingeladen hat den mittlerweile in Leipzig beheimateten Satiriker und Polemiker  der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen. Droste wurde 1961 in Herford / Westfalen geboren, war in seiner Jugend Redakteur der ‚taz‘ und der ‚Titanic‘ und veröffentlicht heute regelmäßig im Funk (BR, MDR Figaro, RBB, SWR, WDR), in der Zeitschrift ‚Das Magazin‘ und vor allem in der vierteljährlich erscheinenden kulinarischen Kampfschrift ‚Häuptling Eigener Herd‘, die er seit 1999 gemeinsam mit dem Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klink herausgibt. Für seine Arbeit wurde Droste 2003 mit dem Ben Witter-Preis und 2005 mit dem Annette von Droste Hülshoff-Preis ausgezeichnet. Von März bis Juli 2009 war er Stadtschreiber zu Rheinsberg.

Vor der Lesung ist Gelegenheit, von 14 bis 17 Uhr im Geburtshaus von Ringelnatz am Crostigall 14 die Ausstellung Christian Rietschel - Aquarelle, Monotypien und Illustrationen“ letztmalig  zu besichtigen, die sächsische Verwandtschaft von Ringelnatz im Blick hat. Der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. setzt damit seine biografische Spurensuche fort, die 2009 mit der Ausstellung “Ringelnatz und seine Ahnen” begonnen hatte. Partner in diesem Projekt war wiederum der Ernst Rietschel Kulturring e.V. in Pulsnitz.

Vor der Lesung besteht zudem Gelegenheit, die Dauerausstellung zum Leben von Joachim Ringelnatz im Museum in der Domgasse zu besichtigen.

Fotos: Joachim Ringelnatz Verein Wurzen

Wiglaf Droste